Liquidität und Liquiditätspools verstehen

In unserem vorherigen Artikel, in dem wir die Funktionsweise von AMMs erklärt haben, sind wir auf die 3 Hauptkomponenten eingegangen:

  • Der Körper — Grenzen des Liquiditätspool
  • Die Stäbe — Liquidity Provider
  • Die Perlen — Liquidität

Heute gehen wir näher auf den Aspekt der Liquidität ein, mit besonderem Fokus auf die Liquiditätspools.

Liquidity Pools — Open Finance

Wie Sie sich vielleicht erinnern, sind Liquiditätspools ein gemeinsamer Topf von Token, die von den Nutzern gesperrt werden, während der Preis durch eine mathematische Formel bestimmt wird. Diese Formel ist in der Regel eine sehr einfache, die ursprünglich von Uniswap entwickelt wurde:
X * Y = K

Diese einfache, aber effektive Art, die sich bewegende Liquidität innerhalb des eigentlichen Pools zu verfolgen, war das Rückgrat der entstehenden DeFi-Industrie, wie wir sie heute kennen. Im Wesentlichen erlaubte es jedem, ein Token1/Token2-Paar zu erstellen und einen Startpreis festzulegen, indem die jeweiligen Token in gleichen Werten (nicht Mengen) bereitgestellt wurden.

Die LPs und die Liquiditätsmechanik

Liquidity Providers (LPs) sind die Hauptantriebskräfte hinter einem Automated Market Maker (AMM)-DEX, da sie diejenigen sind, die beide Token (und in einigen Fällen bis zu 8 verschiedene Token) für den gemeinsamen Liquiditätspool zur Verfügung stellen. Sie werden mit den Gebühren belohnt, die die Nutzer für den Handel in diesem Liquiditätspool zahlen.

Eine weitere Innovation besteht darin, wie der AMM die einzelnen Token im LP im Auge behält: Jeder Liquidity Provider bekommt sog. LP-Token, die ihren Anteil an der gesamten Liquidität in diesem Pool darstellen. Da die Liquidität fungibel ist (alle Token im Pool sind die gleichen, egal woher sie kommen), können die LPs so den Überblick behalten und später ihre Token zusammen mit den Rewards aus dem Pool entnehmen.

Wir halten fest: Ein Liquidity Provider sperrt Token in den AMM-DEX-Smart-Contract und erhält LP-Tokens, um so seinen Anteil der gesperrten Token zu tracken. Nun können wir uns darauf konzentrieren, wie sich die tatsächliche Liquidität innerhalb eines AMM-DEX bewegt und wie die Preismechanik funktioniert.

Da die Token im AMM-Smart Contract gesperrt sind, werden sie normalerweise gleichmäßig auf das Handelspaar aufgeteilt, was bedeutet, dass ein Paar Token1/Token2 zum Beispiel 50/50 gewichtet ist. Dies bedeutet nicht notwendigerweise, dass die jeweiligen Token die gleiche exakte Anzahl an Vorräten haben müssen, die in dem Token-Paar gesperrt sind, jedoch müssen sie den gleichen Wert haben, da LPs ansonsten unter Arbitrage leiden würden, bei der eine dritte Partei entweder mit Token1 oder Token2, die auf anderen Märkten gekauft wurden das Ungleichgewicht in den beiden Tokenmengen ausgleichen würde.

Wenn jemand über einen AMM handelt, sagen wir, er möchte Token1 mit Token2 kaufen, nimmt er die entsprechende Menge, die er von Token1 kaufen möchte, aus dem Pool und gibt die Menge von Token2 hinzu, die hinzugefügt werden muss, damit der Gesamtwert des Pools gleich bleibt. Somit diktiert das Verhältnis der Token innerhalb des Liquiditätspools den Preis: In unserem Beispiel steigt der Preis von Token1, während der Preis von Token2 sinkt.

Visualisierung eines Trades mittels eines AMMs

Das gestrichelte Quadrat in der Grafik stellt die Preisauswirkung dar, die die jeweilige Angebotsänderung (Hinzufügen von Token2 und Entfernen von Token1) zur Folge hat. Dies wird auch als Slippage (Schlupf oder Abweichung) bezeichnet (häufig in % angezeigt), welche angibt, wie sehr der Preis in einem jeweiligen Paar Token1/Token2 durch den (bei geringer Liquidität: auch eigenen) Handelsvorgang bewegt wird und somit gegebenenfalls vom Händler gestützt werden muss.

Ein kleines Beispiel

Falls sich das für Sie ein wenig verwirrend anhört, haben wir hier ein kleines Beispiel, das aufzeigen soll, wie ein Handel mittels eines AMM normalerweise funktioniert:

Wir haben einen Liquiditätspool (LP), der ein Paar mit Token1 im Wert von $10 und Token2 im Wert von 10$ startet. Somit hat der Pool einen aktuellen konstanten Wert von $100 an Liquidität.

Der Preis von Token1 sei 0,001$ und von Token2 = 0,0001$. Also fügt der Nutzer 10.000 Token1 und 100.000 Token2 in dem jeweiligen Paar hinzu, um den Wert von jeweils 10$ zu erreichen.

Wenn ein Nutzer nun handeln und 10 Token1 aus dem Pool kaufen möchte, muss er im Gegenzug 100 Token2 hinzufügen, damit der Gesamtwert des Pools gleich bleibt. Wenn er diese Handelsaktion durchführt, ändert sich auch der Preis der Token:

  • Preis von Token1 = Anzahl von Token2 / Anzahl von Token1

In unserem Beispiel wäre das 100.100 / 9990 = 10,02002 Token2 (der ursprüngliche Preis von Token1 vor dem Handel = 100.000 / 10.000 = 10 Token2).

Beachten Sie, dass wir hier die Preise nicht in $, sondern in Token messen, und zwar relativ zueinander, da das jeweilige Paar nur die Gesamtliquidität verfolgt, nicht den $-Preis selbst. Um die $-Preise zu berechnen, nehmen wir einfach die Ausgangswerte und multiplizieren mit ihnen:

Preis von Token1 vor dem Handel = 10 Token2 = $0,001
Preis von Token1 nach dem Handel = 10.02002 Token2 = $0.001002002

Eine detailliertere Betrachtung von Preisauswirkungen und Slippage

Je größer der Handel ist, desto größer ist die eingesetzte Liquidität, was einen größeren Preiseinfluss für den Nutzer zur Folge hat.

Wenn also mehr Token auf einmal hinzugefügt und entfernt werden, wird sich der Preis in eine viel steilere Richtung bewegen. Als allgemeine Regel gilt, dass der Preiseinfluss einer Order etwa doppelt so groß ist wie die jeweilige Order im Verhältnis zum Pool. Mit anderen Worten, wenn Sie einen Handel ausführen wollen, um 1% des Angebots von Token1 im Token1/Token2-Pool zu kaufen, werden Sie einen Preiseinfluss von 2% auf das jeweilige Paar haben. Dies ist der Hauptgrund, warum eine hohe Liquidität (große Mengen an Token, die in einem Paar gesperrt sind) wichtig ist, um die Preisauswirkungen zu reduzieren.

Slippage korreliert auch mit der Preisauswirkung, da ein Benutzer einstellen kann, wie viel Abweichung von dem Preis, der gerade angezeigt wird, er akzeptieren möchte. Das bedeutet, dass der Auftrag, der ausgeführt werden soll, storniert wird, wenn er nicht innerhalb eines bestimmten %-Bereichs des aktuellen Preises liegt. In einem einfachen Beispiel, wenn ein Benutzer Token1 zum maximalen Preis von $0.00105 kaufen möchte und der aktuelle Preis $0.001 ist, stellt er einen Slippage von 5% für seinen Auftrag ein und wenn sich der Preis über $0.00105 bewegt, während sein Handel ausgeführt wird, wird der Auftrag storniert.

Die Gefahren von Impermanent Loss

Impermanent Loss (IL) oder Impermanenter Verlust ist etwas, das praktisch jeden AMM DEX Liquiditätsanbieter (LP) betrifft, aber nur sehr wenige wissen, wie sie die Auswirkungen für ihre LP-Positionen einschätzen sollen.

Wie wir oben dargestellt haben, werden die Positionen der LPs durch die LP-Tokens abgebildet, die einen proportionalen Anteil an der Gesamtliquidität des jeweiligen Pools darstellen. Wenn LPs Liquidität zur Verfügung stellen, tun sie dies zu einem bestimmten Preis des jeweiligen Paares, so dass der Gesamtwert ihrer jeweiligen Position nicht schwankt, was zu Situationen führt, in denen ein bestimmter Token aus diesem Paar mehr wächst als der andere. Dadurch entsteht für den LP ein Opportunitätsverlust, auch bekannt als Impermanent Loss. Der Verlust ergibt sich aus der Tatsache, dass zum Ausgleich des Pools der Token, der im Vergleich zum anderen Token des Paares an Wert gewinnt, für den anderen verkauft wird, um den Gesamtwert gleich zu halten. Der LP hat somit ein schlechteres Geschäft gemacht, wenn er dem Protokoll Liquidität zur Verfügung gestellt hat, als wenn er nur die beiden Token in der Wallet gehalten hätte.

Um dies zu verstehen, geben wir ein einfaches Beispiel und beziehen uns auf die obigen Zahlen, mit 10.000 Token1 und 100.000 Token2, die in den Pool gesperrt werden. Die Preise seien die selben: Token1 = $0.001 und Token2 = $0.0001.

Der Nutzer John hat in dieses Paar 100 Token1 mit einem Marktwert von $0.1 und 1000 Token2 mit einem Marktwert von $0.1 gesperrt. Sein Anteil beträgt somit 0.1% der gesamten Liquidität des Pools.

Nehmen wir nun das Szenario, bei dem Token2 im Preis um das Doppelte auf $0,0002 steigt. Da wir wissen, dass sich der Gesamtwert der Token im Pool nicht ändert, muss in diesem Fall immer noch 1.000.000.000 an Liquidität vorhanden sein (10.000 * 100.000). Das Verhältnis der jeweiligen Token hat sich jedoch geändert, um die Preiserhöhung von Token2 zu reflektieren. Ergo haben wir jetzt 14.142,13562373 Token1 und 70.710,67811865 Token2, was immer noch 1.000.000.000 Gesamtliquidität ergibt (14.142,13562373 * 70.710,67811865).

Mögliche Entwicklung der zwei Token Preise in diesem Szenario

John beschließt, seine Liquidität aus dem AMM abzuziehen. Durch seine Handlung erhält er 141,421356 Token1 mit einem Marktwert von $0,141421 und 707,106781 mit einem Marktwert von $0,141421, insgesamt also Token im Wert von $0,282842. Hätte er die Token einfach nur gehalten, hätte er 100 Token1 mit einem Marktwert von $0,1 und 1000 Token2 mit einem Marktwert von $0,2 (nach der Preiserhöhung um 2x) besessen, also Token im Wert von $0,3, womit er wesentlich besser dasteht als ein LP.

Eine kleine Anmerkung hier, wir haben keine Gas- und AMM-DEX-Gebühren berücksichtigt, die die Berechnungen ein wenig verändern würden. Diese sind vor allem für LPs der Hauptgrund, warum Sie Liquidität zur Verfügung stellen: um Rewards aus den Handelsgebühren einzufahren.

Beim o.g. Szenario des Wertzuwachs beim einen Token und Stagnation des anderen, können folgende Berechnungen des IL als allgemeine Regel berücksichtigt werden:

  • 1,25x Preisveränderung = 0,6% Verlust
  • 1,50x Preisänderung = 2,0% Verlust
  • 1,75x Kursveränderung = 3,8% Verlust
  • 2x Preisänderung = 5,7% Verlust
  • 3x Preisänderung = 13,4% Verlust
  • 4x Kursänderung = 20,0% Verlust
  • 5x Kursveränderung = 25,5% Verlust

Um es kurz zu machen, gibt es zwei Szenarien für LPs:

1. Das gute Szenario, bei dem die Token-Preise um den gleichen Preis schwanken oder mit der gleichen Relation ansteigen/abfallen.

Vorteilhafte Szenarien für LPs

2. Das schlechte Szenario, bei der die Token-Preise stark schwanken und voneinander und dem Anfangspreis abweichen. Oder Einer um das Anfangspreisniveau pendelt, während der Andere stark abweicht.

Unvorteilhafte Szenarien für LPs

Fazit

Das AMM-Konzept führte eine ganz neue Vertikale für die dezentrale Finanzwelt ein und ermöglichte es jedem, mit Hilfe eines cleveren Liquiditätsmanagementsystems selbst zum Market Maker zu werden. Als solche können die neuen Liquiditätsanbieter von ihren Beständen profitieren, indem sie ihre Token in einen Pool sperren, der als Liquidität für andere Handelsteilnehmer genutzt werden kann.

Während das Konzept in der Theorie einfach ist, bringt es komplexe mathematische Modelle mit sich und unterliegt damit verschiedenen Risiken, wie z.B. Impermanent Loss. Daher haben die meisten der LPs anderen Anreizmethoden, wie die, die wir mit Maiar.exchange und dem MEX-Token sehen werden.

Durch die Bereitstellung dieser sorgfältig gestalteten Anreize, wie z. B. Governance-Token, kann sich die Bereitstellung von Liquidität zu weiteren neuartigen Konzepten entwickeln und neue Bausteine für die DeFi-Industrie bilden.

Wir bei Istari freuen uns auf die neuartigen Konzepte, die Maiar.exchange mit sich bringen wird und werden versuchen, ein paar unserer eigenen Bausteine darauf zu errichten.

Für mehr Informationen, besuchen Sie uns hier:

Trusted Staking-as-a-Service Provider

Trusted Staking-as-a-Service Provider